“Will work for experience” – Praktikant*innen Willkommen!

“Will work for experience” – Praktikant*innen Willkommen!

Mit diesen Zeilen möchte ich eine Lanze dafür brechen, Praktikant*innen aufzunehmen. Als ich 2014 selbst nach Praktikumsstellen gesucht habe, wurde mir schnell bewusst, dass eine große Angst von etablierten Trainer*innen ist, ihr Wissen „kostenlos“ herzugeben und sich „die Konkurrenz heranzuzüchten“. Fühlt Ihr Euch angesprochen? Dann Achtung, jetzt wird’s kontrovers:

Viele von uns zahlen aus eigener Tasche teure Ausbildungen, lassen sich zertifizieren, investieren in Trainingsnetzwerke und müssen die eigene Kundschaft ja auch noch irgendwie erreichen und idealer Weise längerfristig betreuen können. Wer sich intensiver mit Buchhaltung beschäftigt weiß: Die Ausgaben müssen irgendwie wieder reinkommen. Und dass dieser Weg niemals endet, weil wir alle ständig weiterlernen, ist den allermeisten von uns auch klar.

Und dann sollen wir uns auch noch KOSTENLOS Zeit für Praktika nehmen, die kein Geld bringen?

– Ja, unbedingt!

Praktikant*innen sind nicht nur unsere zukünftige Konkurrenz – sie sind auch unsere zukünftigen Kolleg*innen innerhalb einer Szene, die sich täglich mit kognitiver Dissonanz und kultureller Verblendung auseinandersetzen muss. Die Idee von Gewaltfreiheit und dem Lernen über positive Verstärkung ist noch längst nicht so etabliert, wie es den meisten von uns in der Trainingsgemeinde lieb wäre. Menschen, die körperliche Gewalt als Mittel der Wahl sehen, wenn es darum geht das Verhalten meines Tieres zu ändern, haben ein Standing in der Gesellschaft, finden medial Gehör und mystifizieren ihre Handlungen auch häufig noch, in dem sie behaupten, sie hätten eine besondere Verbindung zu Tieren. Und dem gegenüber stehen wir, als „wattebauschwerfende Idealist*innen“.

Unsere Arbeitsmethoden blicken auf rund 100 Jahre Forschung zurück – Die veralteten Methoden von Gewalt und Strafe erfreuen sich aber bereits mehrerer Jahrtausende Erfahrung und Akzeptanz.

Ein Kampf gegen Windmühlen?

Wollen wir diese Szene stärker machen, braucht es gut ausgebildete Kolleg*innen, die ihre Praktika nicht nur so anlegen, dass sie die Stunden zusammenbekommen um die Ausbildung abschließen zu können – es braucht Visionen und Ziele, wo die Reise hingehen soll. Und diese Visionen und Ziele sollten wir als „etablierte Kollegschaft“ haben und teilen können. Sonst erreichen wir nämlich auch unsere Kundschaft nicht mehr. Diesen Prozess können wir maßgeblich beeinflussen und beschleunigen, wenn wir unsere Türen öffnen und eine Möglichkeit finden, neue Kolleg*innen auf ihren Wegen ein Stück weit zu begleiten

Was ist also mein Benefit, wenn ich Praktikumsplätze anbiete?

Erfahrung und Reflexion

Nicht nur die Praktikant*innen sammeln Erfahrung, sondern auch ich. Mir persönlich gibt es viel, wenn ich Reaktionen und Eindrücke durch andere Personen bekomme und daraus selbst wieder etwas lernen kann. In welche Bereiche ich meine Praktikant*innen einbinde kann ich ja selbst entscheiden. Auch in meinem Fall gibt es Aspekte, die mir zu heikel sind als dass ich sie unbedarft anderen Menschen zeige – vor allem dann, wenn ich selbst noch nicht so recht weiß, was daraus wird. Umgekehrt kann es aber auch genau hier von Vorteil sein, eine außenstehende und unvoreingenommene Person darauf blicken zu lassen und ihre Meinung zu erfragen. So oder so ist es für alle Beteiligten ein Vorteil, sich zu Themen und Ideen auszutauschen, Geisteshaltungen abzufragen und über die jeweilige Vision zu sprechen.

Werbung

Wenn ich von dem was ich tue überzeugt bin, dann spürt mein Umfeld das. Praktikant*innen spüren das aber nicht nur, sondern tragen es auch in die Welt hinaus. Sie teilen der Ausbildungsorganisation ihre Erfahrungen mit meiner Praxisanleitung mit, sie sprechen mit ihren eigenen Lehrgangskolleg*innen darüber und sie kennen meinen Leistungsumfang und können auch in ihrem Umfeld Werbung dafür machen. Besondere Eindrücke aus der Tätigkeit lassen sich mit Hashtags, Microinfluencing und Markiergung auch Social-Media-tauglich verwerten.

Kundschaft

Menschen, die mit ihren Praktikumsstellen glücklich waren, werden auch tendentiell die Leistungen wieder beanspruchen wollen. Viele von uns betreuen ja nicht nur Mensch-Tier-Teams in Alltagsfragen, sondern bieten auch innerhalb der Trainingsszene Fortbildungen für andere Trainer*innen an – und hier können wir uns durch Praktikant*innen schon wieder einen neuen Kundinnenkreis anlegen, die – wie oben beschrieben – nicht nur unsere Leistungen konsumieren sondern auch Werbung für uns machen.

Training aus der Hand geben

Zu neuen Erkenntnissen hat mir der Umstand verholfen, meine Praktikantinnen mit meinen Tieren arbeiten zu lassen. Es war ganz herrlich zu sehen, wie vertrauensvoll die Beziehung zueinander entstanden ist. Meine Hunde haben zB ein Türthema – sprich: Sie bellen wenn jemand kommt. Die Praktikantinnen mussten da vom ersten Moment an mithelfen und wurden in den Prozess der Verhaltensänderung sehr intensiv eingebunden.

Für meinen Vogelschwarm war es wichtig, die Präsenz von fremden Personen kennenzulernen, da es in Zukunft auch für Besucher*innen die Möglichkeit geben soll, artgerechte Vogelhaltung hautnah zu sehen. Meine Praktikantinnen haben dabei tolle Dienste geleistet. Bei den Vögeln haben wir in der Hinsicht einen wahren Trainingsdurchbruch erarbeitet, der ohne Luisa, Moni und Nicole nicht denkbar gewesen wäre.

Überhaupt war es auch für mich hilfreich zu sehen, unter welchen Bedingungen Training gut klappt und welche Feedbackschleifen es braucht um den Prozess zu optimieren. Welche Anmerkungen waren hilfreich, wie fühlt es sich an wenn man „einfach mal tut“, wie viel Beziehung braucht es,… All diese Themen haben wir gemeinsam noch mal aus anderen Perspektiven beleuchtet.

Kompetenzen

Die allermeisten Bewerber*innen für Praktikumsstellen haben schon Arbeits- oder Lebenserfahrung (wenn auch in anderen Lebenswelten) und sind bereits in ihrem Bereich kompetent. Das kann ich mir zu Nutze machen und ihre Fähigkeiten in meine Arbeit einbinden. Und das kann ich auch in der Ausschreibung für die Praktikumsstelle voraussetzen. In meinem Fall habe ich Unterstützung von drei Frauen bekommen, die die unterschiedlichsten Erfahrungen in der Arbeit mit Tieren gemacht haben und mich daran teil haben lassen.

Welche Erkenntnisse ziehe ich aus meinem ersten Mal mit Praktikant*innen?

Viele. Zum einen braucht es eine gute Abgrenzung, wie viel Zeit ich zur Verfügung stellen kann und welche Gegenleistung ich von Praktikant*innen benötige. In meiner speziellen Situation bin ich selbst noch ganz am Anfang – wir sind im April diesen Jahres umgezogen, ich muss meinem Mann glaubwürdig vermitteln, dass Tiergehege und Trainingsfortbildungen genau so wichtig sind wie Renovierungen im Badezimmer und Ausflüge mit Klein-LKWs zu Baumärkten. Dementsprechend schwierig ist es manchmal, die Grätsche zwischen meiner selbstständigen Tätigkeit als Tiertrainerin und meinem Bedürfnis nach „Zu Hause“-Gefühl gut hinzukriegen. Drei Praktikantinnen haben mich dabei aber diesen Sommer ganz prima unterstützt, mir bei Reinigungstätigkeiten geholfen, Wege für mich oder mit mir gemeinsam erledigt, Workflows hergestellt, Trainingsziele erreicht. Und oft ist es schon die größte Hilfe, wenn jemand mitfilmt, was ich gerade trainiere – quasi als lebendes Stativ.

Zum anderen braucht es – für mein Empfinden – auch eine klare Zielformulierung. Sowohl von den Praktikant*innen, als auch von mir. An manchen Tagen war wenig zu tun, da konnten wir uns um tatsächlichen Wissensaustausch mehr bemühen. An anderen Tagen hätte ich besser delegieren müssen – was definitiv eines meiner Themen ist, das ich mit den Praktikantinnen angehen konnte um mich selbst weiter zu entwickeln.

Beim nächsten Mal würde ich die Kompetenzen die Praktikant*innen, die sie schon vor der tiertrainerischen Ausbildung hatten, viel stärker einbinden und sämtliche Aktivitäten dokumentieren, um die Entwicklung der Praktikant*innen besser sichtbar zu machen.

Es mag meiner Tätigkeit im Sozialbereich geschuldet sein: Ich liebe Netzwerke.

Und je stärker ein Netzwerk ist, desto produktiver kann ich damit arbeiten. Dieses Netzwerk kann sich aber nicht nur aus Personen bilden, die Einzelkämpfer*innen sein und sich lediglich mit anderen Einzelkämpfer*innen zusammenrotten wollen. Es braucht Austausch. Es braucht Geben und Nehmen. Luisa, Moni und Nicole sind nun Teil meines Netzwerks aus Menschen, die ich um Rat fragen kann und die mir zuhören, wenn ich meine Ideen mit jemandem teilen möchte. Is’n gutes Gefühl J

Die IMATA-Konferenz 2018 – ein langes Resumee

Die IMATA-Konferenz 2018 – ein langes Resumee

Vor drei Jahren durfte ich an einem sog. “Regional Workshop” der IMATA in Italien (Zoomarine Rome) teilnehmen – ich hab’ mich für diesen dreitägigen Workshop angemeldet, weil ich Delfinariengegnerin war und wissen wollte, was es damit auf sich hat – ohne ein Ticket zu kaufen. Geboten wurden mir drei Tage voller Wissen, Leidenschaft und wirklich fantastischen Trainingsskills. Ich bin zwar immer noch kein  Fan von Delfinshows, aber es gibt tolle Einrichtungen die als Brücke zwischen Mensch und Tier fungieren und eine ausgezeichnete Versorgung von Meeressäugern präsentieren, die mit nichts vergleichbar sind und die von den populären Aktivist*innen natürlich nicht hergezeigt werden. Anhand dieses ersten Absatzes merkt ihr schon: Der nachfolgende Text wird anstrengend. 

Zur Konferenz selbst: Fünf Tage (und ein Icebreaker) voller Wow-Momente. Wer Tiertraining ernst nimmt wird um solche Veranstaltungen mit allen Vor- und Nachteilen nicht herumkommen. Die Nachteile: Ein verhältnismäßig teurer Spaß; Die Jahresmitgliedschaft zu € 65,– in der IMATA hat einen saftigen Rabatt für die Konferenzteilnahme eingebracht, wodurch ich in Summe (also Mitgliedschaft + Teilnahme) knapp über 500€ bezahlt habe. Inkludiert waren Icebreaker (sehr fancy!), Kaffeepausen (sehr exklusiv! – Nespresso Professional Maschinen mit Kuchenvariationen, Teebar und frisch gepresstem Orangensaft), Unterhaltungsprogramme (kleiner Workshop, Paneldiscussions, Gewinnspiele, Hostfacility-Besuch [Boom!], Posterausstellungen) und die vielen fantastischen und liebevoll gestalteten Präsentationen.

Das ganze ist sehr zeitaufwändig. Ich bin volle acht Tage ausgefallen. Für manche Teilnehmer*innen mag das mehr ein Vorteil sein, sich mal endlich einige Tage frei nehmen zu müssen. Ich musste fliegen, weil Autofahren vollkommen unwirtschaftlich gewesen wäre. Und ich hasse fliegen. Dankenswerter Weise haben mich die ATClerinnen unter ihre Fittiche genommen, wodurch die Einsamkeit nicht ganz so intensiv war, denn: Ich bin keine Delfintrainerin und das spürt man dort sehr deutlich. Ähnlich wie bei Hundeveranstaltungen sind natürlich die Arbeitsthemen in den Pausen ein Dauerbrenner.

Am vierten Tag war das schon sehr anstrengend. Viele Dinge, die ich mir gerne merken wollte, sind mir vollständig entfallen. Mitschreiben ist in einem dunklen Vortragssaal nicht so easy und natürlich habe ich mir mit dem Smartphone geholfen, aber ihr wisst ja wie das ist. Fang’ ich mit den Aufnahmen in zwei Wochen noch etwas an? Mh!

Zwischenbilanz; Alles in allem hat mich dieser Ausflug etwa 1000€ und acht Tage gekostet.

Zu den Vorteilen: Ein internationales Event mit Best-Practise-Beispielen, Skills, Forschungsergebnissen, neuen Impulsen und viel viel viel VIEL Wissen. Im konkreten Fall möchte ich lobend erwähnen, dass trotz des Fokus’ auf Meeressäuger auch einige andere Spezies mit trainingsspezifischen Themen Erwähnung gefunden haben. Kirsten Anderson Hanson war da, deren Forschung und dazugehörige Geisteshaltung mich restlos begeistert. Seine Eminenz, Sir Ken Ramirez war mit von der Partie. Alle Namen der Kapazunder zu nennen, die sich um gewaltfreies, modernes und effektives Training verdient machen, würde jedoch den Rahmen sprengen. In jedem Fall sei erwähnt: Die anwesenden Personen alleine wären schon Grund genug um hinzukommen.

Die Stimmung ist dermaßen freundlich und wohlwollend. Trauriger Weise bin ich das nicht gewohnt, denn die diesbezügliche Geisteshaltung in Ö und D ist definitiv eine andere. Die Grundhaltung der Vorträge, der Moderation und der Gespräche hier auf dieser Konferenz waren selbstbewusst und engagiert, kompetent und offen. Auch um diese Stimmung mal zu erleben lohnt es sich, auf eine solche Veranstaltung zu gehen.

Freiflugshow der Aras!

Freiflugshow der Aras!

Zoomarine ist ein Punkt für sich. Meine Erfahrungswerte halten sich in Grenzen, aber was die Leute von Zoomarine vorgelegt haben macht ihnen so schnell niemand nach. Tolle Führungen durch ihre Einrichtung, viel Liebe zum Detail, transparent und auskunftsfreudig. Ich habe nicht nur häufig die Vergleiche nach Ö und D gesucht, sondern auch mit meinem anderen Arbeitsleben – der Arbeit mit wohnungslosen Frauen in einer Einrichtung des Sozialbereichs – und finde es schon eindrucksvoll, wie viele Einblicke uns gewährt wurden, wie offen unsere Fragen beantwortet wurden und letztlich, wie engagiert die Mitarbeiter*innen der ganzen Einrichtung sind. In diesem konkreten Fall haben die Leute von Zoomarine auch noch erwirkt, dass wir mit unseren Namenskarten kostenlos in den Zoo Lissabon können. Networking rocks!

Nachteile, kurz und knapp: Kosten- und Zeitintensiv. Die fünf Tage verfliegen und all die vielen Inhalte, Skills und Ideen rinnen einem förmlich durch die Finger, wenn man nicht jeden Tag eine Zusammenfassung schreibt oder sich zumindest mit den entsprechenden Vortragenden vernetzt, um “am Ball” zu bleiben.

Der Show-Pool - hier wird abseits der Shows viel geübt, aber auch herumgealbert.

Der Show-Pool – hier wird abseits der Shows viel geübt, aber auch herumgealbert.

Soweit meine “Pro- und Kontrabilanz” für die Konferenz selbst. Natürlich war in diesen fünf Tagen nicht alles Eitel-Wonne-Sonnenschein. Das Thema Aktivismus und Soziale Medien beschäftigt alle Beteiligten sehr intensiv. Der generelle Tenor ist ein besorgter, da die Auswirkungen von Blackfish und Co spürbar sind. Die Positionierung in dieser Diskussion für mich als nur-am-Rande-Beteiligte ist nicht ganz einfach. Nun steh ich von vorherein allem (vor allem mir selbst ) erstmal offen, aber kritisch gegenüber. Wie weiter oben erwähnt gibt es ganz fantastische Einrichtungen, die natürlich von PETA, Seashepherd und Co nicht vorgezeigt werden. Sehr leid tat mir der Umstand, dass etliche Trainer*innen persönlich bedroht wurden. Nicht bloß online, sondern auch im echten Leben. In den Pausen haben mir Trainerinnen im Gespräch erzählt, dass ihre Autos demoliert wurden, sie wurden wüst beschimpft wenn sie ihre Arbeitskleidung außerhalb anhatten und von den sonstigen Aktionen, die die Aktivist*innen veranstaltet haben will ich mal gar nicht weiter ausholen. Dass sich die Wut und das Verlangen nach Veränderung ausgerechnet gegen jene richtet, die ohnehin ständig bestrebt sind im besten Interesse des Tieres zu handeln hat einen sehr bitteren Beigeschmack. Das Thema Freiheit versus Gefangenschaft führe ich in meiner Pseudophilosophie-Reihe weiter aus.

Ken Ramirez - einer seiner fantastischen Vorträge!

Ken Ramirez – einer seiner fantastischen Vorträge!

Was für mich jedoch wieder auf der Haben-Seite steht ist die pro-aktive Arbeitseinstellung. Lösungsorientiert mit ganz klarer Perspektivenarbeit – absolut vorbildlich und mitreißend. Das Tier steht im Mittelpunkt und alle, die bei dieser Konferenz waren, sind schon auf dem Weg ihre Arbeits- und Unterbringungsbedingungen immer besser zu machen. Niemand fürchtet sich dafür, seine Best-Practise preiszugeben weil alle voneinander profitieren und lernen wollen.

Um mich nun nicht tiefer in Lobhuldigungen und Schwärmereien zu verrennen, möchte ich all jenen, die unschlüssig sind wie sie Delfinarien gegenüber stehen ans Herz legen, auf eine Konferenz oder einen Regional Workshop (bissl günstiger :)) zu fahren. So bekommt man auch ausreichend Eindrücke wie die Situationen in den verschiedenen Einrichtungen ist, ohne dass man ein Ticket kaufen muss.

Folgende Punkte nehme ich für mich mit:

Wer Tiertraining ernst nimmt sollte sich unbedingt eine Konferenz dieser Art leisten.
Es gibt richtig tolle Delfinarien
In Punkto Vernetzung und Wissensaustausch können wir uns eine dicke Scheibe von den Amerikaner*innen abschneiden
Tiertraining hat Zukunft und wird möglicherweise auch auf die Beständigkeit von tierhaltenden Organisationen Einfluss haben
Transparenz schafft Bindung und Vertrauen in der Öffentlichkeit.

Folgende Fragen kann ich für mich jedoch weiterhin nicht beantworten:

Ob “Educational Shows” dazu beitragen, dass Menschen ihre Liebe zu Tieren entdecken kann ich nicht beurteilen. Zweifelsohne haben viele Menschen dadurch eine tiefschürfende Verbindung zu den Tieren entwickelt. Aber ist diese Verbindung vom Unterhaltungswert geprägt, oder haben diese Shows ein echtes (altruistisches) Interesse am Wohlergehen dieser Tiere erzeugt?

Haben Tierrechtsaktivist*innen tatsächlich im Sinn, die Haltung aller Tierarten zu verbieten? Und wenn ja, wie gehen wir mit Tieren um, die nicht (mehr) selbstbestimmt leben können? Wer zieht die Grenze was moralisch tragbar ist? Und wer kontrolliert die Intention der Aktivist*innen?

 

Schreibt mir gerne Eure Gedanken dazu – ich freue mich auf den Austausch!

Von der Mühsal des Wildtierschutzes…

Von der Mühsal des Wildtierschutzes…

Im wesentlichen ist die Hauptsaison der Wildtierhilfe vorbei, darum hab‘ ich nun den Kopf frei um über die Begebenheiten der letzten Monate nachzudenken – wie ihr hier unschwer sehen könnt.

Der Schutz unserer heimischen Wildtiere liegt im deutschsprachigen Raum zum größten Teil in privater Hand. Dementsprechend schwierig ist es zum einen kompetente Hilfe zu bekommen wenn ein Wildtier gefunden wurde, und zum anderen wenn man selbst aktiv in der Wildtierhilfe ist.

Aktiver Wildtierschutz kann auf mehreren Wegen stattfinden:

Prävention durch Öffentlichkeitsarbeit, Ganzjahresfütterung, Nisthilfen, Lebensraumerhalt, Insektenschutz, Citizen-Science

Pflege von verwaisten oder verletzten Tieren, Transporte, Stationsdienste, Rettung von verwaisten oder verunfallten Tieren

Nachsorge durch Auswilderung (sowie alle genannten Punkte aus der Prävention)

große Meisenknödel - heiß begehrt, nicht nur von Meisen :)

große Meisenknödel – heiß begehrt, nicht nur von Meisen 🙂

Freilich ließe sich noch viel mehr konkret benennen – hier entsteht kein Anspruch auf Vollständigkeit 🙂

Neben der enormen finanziellen und zeitlichen Belastung für aktive Helfer*innen, kommt die mentale Belastung stark zu tragen. Diese Mühsal wird häufig übersehen und ist doch so allgegenwärtig:

Finder*innen, die nicht helfen wollen oder können. Grundsätzlich verstehe ich die Angst vor (Wild-)Tieren ganz gut und es ist vernünftig sie nicht anzutatschen. Aber! In der Regel findet ein Mensch ein Tier und fragt um Hilfe, entweder per Notrufnummer oder in einer der zahlreichen Wildtierhilfegruppen auf facebook. Was mir seit einigen Monaten immer wieder auffällt ist der Unwille tatsächlich zu helfen. Die auffindende Person meldet das Tier und entzieht sich danach jedweder Mithilfe. Wenn das Tier kuschelig, süß, selten oder sonst wie „besonders“ ist, hat man noch bessere Chancen die Finder*innen um aktive Mithilfe zu bitten. Ist es aber zB „nur“ eine Taube, ein Igel oder eine Fledermaus, sieht die ganze Sache schon anders aus. Mit ach und krach bekommt man noch eine Telefonnummer um Rückfragen zu können, wenn man sich als rettende/transportierende Person vor Ort nicht zurechtfindet. Der Faktor Sicherung (also das Tier in einen improvisierten Transporter zu setzen) würde so enorm viel Zeit sparen und dem Tier selbst bessere Chancen mitgeben. Gerade geschwächte Tiere und Jungtiere brauchen fast immer eine Wärmequelle. Wenn vom Zeitpunkt der Alarmierung bis zum Zeitpunkt der Wärmezufuhr (oder jeder anderen, notwendigen Erstmaßnahme) allerdings mehrere Stunden vergehen, sinken damit die Überlebenschancen rapide. Es könnte so einfach sein zu helfen: In der Regel reicht ein Handtuch und eine entsprechende Box, um ein Tier unterzubringen, bis es zur Station transportiert werden kann. Und damit kommen wir zu einem weiteren Punkt, der noch vor einer professionellen Erstversorgung Schwierigkeiten macht:

Wer transportiert? Auch hier lässt sich beobachten, dass viele Menschen erwarten das Tier würde mit einer Art Rettungsauto von ihnen abgeholt werden – aber so funktioniert die Wildtierhilfe nicht. Zwar gibt es zB in Wien die Möglichkeit, bei der MA49 anzurufen und um Abholung zu bitten, aber auch hier kommt es natürlich zu Wartezeiten, denn dieser Service ist kein Blaulichtdienst.

Der Idealfall wäre also, dass Finder*innen das Tier provisorisch einpacken und zur nächstgelegenen Station oder wildtierkundigen Tierarztpraxis bringen. Das wäre effizient und für alle Beteiligten am einfachsten. Natürlich gibt es Situationen, in denen Transport und Sicherung aus welchen Gründen auch immer nicht von der auffindenen Person übernommen werden können – aber Hand aufs Herz: Bei weitem nicht so oft, wie tatsächlich darüber diskutiert wird. Denn ganz häufig endet die Hilfsbereitschaft der Finder*innen mit der Bekanntgabe des Aufgefundenen Tieres. Alle, die aktiv im Wildtierschutz tätig sind, können davon ein Lied singen.

nicht nur Zeit und Geld, auch Platz ist eine wichtige Ressource

nicht nur Zeit und Geld, auch Platz ist eine wichtige Ressource

Da Wildtiernotfälle häufig abends oder nachts gemeldet werden, sei hier auch erwähnt dass es oft ausreichen würde, das Tier (sofern es keine lebensbedrohlichen Krankheiten oder Verletzungen hat) erstmal bis zum nächsten Morgen bei sich zu behalten. Auch hier können die aktiven Wildtierhelfer*innen vermutlich mit der ein oder anderen Story aufwarten, wie sie nachts um 2.00 Uhr ein Tier abholen mussten weil die Finder*innen es partout nicht bei sich behalten wollten. Häufig werden Kinder oder Haustiere dafür als Grund genannt – schon wieder Hand aufs Herz: Ehrlich?

Eichhörnchen Baby Füttern

Eichhörnchen Baby Füttern

Aber zurück zur Mühsal: Auch die Erwartungshaltung an Tierärzt*innen stellt uns (und die Tiere und natürlich die Vets) vor Herausforderungen. Veterinär*innen müssen nicht kostenlos behandeln. Häufig tun sie’s, weil sie Mitleid haben. Das darf man aber nicht voraussetzen. Auch Veterinär*innen haben Fixkosten, die bezahlt werden müssen. Und auch hier möchte ich mein absolutes Verständnis dafür äußern, dass auch ein paar Euro, die man unvorhergesehen für ein Wildtier ausgeben soll ein erhebliches Loch ins Monatsbudget reißen können – aber es gibt immer eine Lösung. Die darf aber freilich nicht so aussehen, dass TÄs öffentlich diffamiert werden weil sie für ihre Behandlung eine Rechnung stellen. Wenn man als auffindende Person die notwendige Behandlung nicht bezahlen kann oder will, so sollte man zumindest die Courage haben das Tier im Sinne des österreichischen Tierschutzgesetzes §6 Abs. 4 bzw. §8 einschläfern zu lassen. An dieser Stelle sei erwähnt dass das nicht die schlechteste Option ist – wenn wirklich medizinischer Handlungsbedarf besteht, ist es ja mit einer einmaligen Behandlung häufig nicht getan. Und da Wildtiere in der Regel das Handling durch Menschen nicht gewöhnt sind, ist es schon sinnvoll sich zu überlegen ob das Tier den Rehabilitationsprozess auch aus dieser Perspektive übersteht. Stress und Angst verschlechtern das Outcome für Wildtiere enorm.

Womit wir auch schon zum nächsten Punkt dieser Mühsal-Liste kommen: Die emotionale Geisteshaltung. Wildtiere sind nicht dankbar. In der Regel haben Wildtiere zum Zeitpunkt des Auffindens Todesangst und Schmerzen. Auch hier können Wildtierhelfer*innen vermutlich ein Lied davon singen, dass Menschen mit verunfallten Tieren Selfies posten und – sehr böse formuliert – die Hilflosigkeit des Tieres zur Profilierung in den Sozialen Netzwerken nutzen. Und leider schadet diese Darstellung nicht nur diesem einen Tier, sondern auch allen nachfolgenden Tieren, die von Finder*innen so behandelt werden. Die wohlwollende Intention, einem Tier zu helfen, reicht in diesem Zusammenhang leider nicht. Dem Tier ist mehr geholfen, wenn man es transportfertig macht und in Ruhe lässt. Wer souverän im Umgang mit Tieren ist kann es natürlich gut nach offensichtlichen Verletzungen absuchen. Knochenbrüche, Stauchungen und Luxationen sind aber selten mit bloßem Auge zu erkennen – und dafür aber umso schmerzhafter. Und gerade die sensiblen Flügel von Vögeln und Fledermäusen würden es uns im Genesungsprozess sehr danken, wenn wir etwaige Verletzungen nicht durch unnötige Manipulationen noch verschlimmern. Hier driften wir auch etwas in die Philosophie ab: Der Wille zur Hilfeleistung darf nicht durch die potentielle Dankbarkeit des Hilfsbedürftigen beeinflusst werden. Wer Wildtieren helfen möchte, sollte sich an der Möglichkeit zur Hilfe selbst erfreuen und nicht an einer potentiellen neuen „Freundschaft“ zu einem Tier.

Nun soll das aber kein Shitstorm gegen Menschen sein, die sich ungeschickt anstellen – ganz im Gegenteil. Es ist mein Dankeschreiben an alle, die zwar unverhofft in die Situation kamen einem Wildtier zu helfen und trotz aller Widrigkeiten (derer es viele gibt!) im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles getan haben was eben ging. Und dazu gehört auch sich Hilfe und Anleitung zur Selbsthilfe zu holen, an Facebookpostings mit weit über 50 Kommentaren dran zu bleiben, so genau wie möglich die Situation zu schildern und dann auch noch den Weg auf sich zu nehmen und das Tier zur nächstgelegenen Pflegestelle zu bringen. Oder eben den transportierenden Menschen ein bisschen entgegen zu kommen. Danke dafür! <3

Als Appell an alle, die das Lesen und bisher noch nicht in die prekäre Situation kamen einem Wildtier helfen zu wollen: Bitte kommt uns ein bisschen entgegen, wortwörtlich. Zumindest bis zur Haustür, damit es nicht den Charakter eines Lieferdienstes hat, der ehrenamtlich verletzte Tiere herumkutschiert. Auch wir Helfer*innen würden nachts gerne bei unseren Familien sein und nicht zig Kilometer und etliche Stunden mit Herumfahren verbringen. Noch lieber würden wir effizient helfen und das geht besser in einer Voliere oder Station – nicht im Auto 🙂 Danke! <3

Und zu guter letzt sei hier noch allen Hunde- und Katzenhalter*innen ein großes und herzliches Dankeschön ausgesprochen, die ihre Tiere (nicht nur) zur Brut- und Setzzeit im Frühjahr nicht in den Lebensräumen unserer wilden Mitbewohner herumstrawanzen lassen. Auch das entspannt die Situation enorm! Danke! <3

 

Es ist unmöglich alle Stellen zu nennen, die in diesem Bereich helfen – daher hier ein sehr grober Überblick für Österreich:

Wildtierhilfe Wien 

Wildtierhilfe Vorarlberg

Kleine Wildtiere in großer Not – Steiermark

EGS Haringsee

Facebook: Wildvogelhilfe Notfälle und Wildtiernotfälle

Warum uns “die Elternschule” als Tiertrainerinnen nicht egal sein darf

Warum uns “die Elternschule” als Tiertrainerinnen nicht egal sein darf

Heute brauche vor allem ich einen kurzen philosophischen Ausflug in die Welt der Zweibeiner:

Seit einigen Wochen geistert ein Trailer durchs Internet. Die Elternschule. Eine Klinik in Gelsenkirchen, die Unterstützung für verzweifelte Eltern anbietet, zu allen Themen der Kindererziehung.

Bevor ihr weiter lest, seht Euch bitte den Trailer an.

Und hier kommt schon der Erste Fehler: Tatsächlich sind dort Mütter stationär mit ihren Kindern aufgenommen. Väter können “besuchen”, werden nach erfolgter Therapie mit “Kurzseminaren” eingebunden. Ohne mich jetzt zu sehr in feministische Haltungen zu verbeißen, finde ich es schon erstaunlich wie die Konstellationen hier aufgestellt sind. Ein “charismatischer Kinderpsychologe” erklärt verzweifelten Müttern wie sie wieder Kontrolle im Alltag bekommen können. Kennen wir das nicht aus einem ganz bekannten TV-Format mit Hunden und einem, der vorgibt zu flüstern?

Müttergruppe - http://www.elternschulefilm.de/#galerie

Müttergruppe – http://www.elternschulefilm.de/#galerie

 

Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist für mich auch, dass dezidiert erwähnt wird, wie verstörend manche Szenen FÜR DIE ZUSEHER*INNEN sind, und dass viele selbst eingreifen wollen – aber dann wird relativiert: Es ginge um Geduld und Konsequenz, und dazu würde man die Eltern (vornehmlich eben die Mütter) in dieser Elternschule wieder anleiten. Viele Szenen folgen, in der ein unerwünschtes Verhalten vom Kind gezeigt wird und die Mütter und Kinder es aussitzen müssen.

Auf der Haben-Seite steht zwar, dass der charismatische Kinderpsychologe sagt, dass Verhalten verstanden werden muss, und dass man sich manchmal eher als Trainer*in sehen und die Erwartungshaltungen runterschrauben müsse, aber dann geht es trotzdem weiter: Situationen, die zu Machtkämpfen führen und die von den Müttern zwingend “gewonnen” werden müssen. Ein Kind, das nicht schlafen kann, wird alleine gelassen damit es lernt den Schlafrhythmus einzuhalten. Ahja. Als ob diese kognitive Dissonanz das Thema damit aufarbeiten würde.

Nun will ich damit keineswegs die Mütter/die Eltern anfeinden – denn deren Verzweiflung ist real und deren Hilfebedürfnis ebenso. Ich frage mich bloß, wie es legitimiert sein kann solche Methoden in einem Kinofilmformat zu verarbeiten ohne andere Methoden vorzustellen.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist für mich auch, dass in einem Interview mit dem Regisseur die Mütter, die Kritik an dem Film geübt haben, als “hysterisch” bezeichnet wurden. Wieder so eine Situation, wo bei mir die “Feminismus!”-Sirene im Kopf angeht und ich mir vorstelle, wie der männliche Regisseuer sich wohl über kritikübende Männer äußern würde. Auch hysterisch? Mhhh… Auch einer Journalistin, die sich in einem kostenlosen Erziehungsmagazin kritisch darüber geäußert hat, spricht er die Kompetenz ab. Hier könnt ihr das Interview selbst nachhören.

In einer anderen Szene zeigt der charismatische Kinderpsychologe ein Video von einem Kind, das zum Essen gezwungen wird. Das Kind schreit schon beim Anblick des Löffels “Aua, Mama!” – woraufhin der charismatische Kinderpsychologe sich über die gezeigten Bilder lustig macht und dem Kind die Notwendigkeit dieses Ausdrucksverhaltens abspricht, denn “durch eine Nudel am Löffel entsteht keine Not”. Ahja. Brilliant analysiert.

Und jetzt schließe ich den Kreis mit unserer Profession:
Das Bestreben gewaltfrei arbeitender Trainer*innen ist immer “Setting up for success” – also Situationen so zu gestalten, dass sich die lernenden Individuen richtig (=”wie gewünscht”) verhalten können und Fehlerquellen eliminiert werden. Wenn ich Situationen gut gestalten kann, muss ich gar keinen Konflikt heraufbeschwören. Und wenn doch ein Konflikt entsteht, kann ich wieder eine Situation gestalten, in der ich mich auf den Kern des Konflikts – nämlich ein Bedürfnis! – besinnen kann.

Kinder, genau wie Tiere, wollen sich in unserem Beisein sicher und ernst genommen fühlen. Die Basis dafür muss wohl eher Vertrauen und Zuwendung – die Kernelemente guter Beziehungen! – sein, und nicht permanente Machtdemonstrationen. Denn die Konsequenz solcher Machtdemonstrationen, die in der Regel von “uns Erwachsenen” gewonnen werden, sind machtlose Individuen. Und im schlimmsten Fall werden es unter dieser Art von Erziehung machtlose Erwachsene. Und der Kreislauf beginnt von vorne.

Und letztlich können wir auch ab und zu in uns selbst hineinspüren und die Perspektiven wechseln. Wie würde ich mich fühlen, wäre ich in der Position meines Kindes (oder meines Tieres)? Sind meine Bedürfnisse befriedigt? Kann ich meiner Bezugsperson vertrauen?

Wenn im Jahr 2018 ein Film gefeiert wird, der alles das ignoriert, was sich an der Bedeutung von liebevoller Zuwendung über die letzten Jahrzehnte für Kinder mühsam erarbeitet wurde, dann läuft hier was falsch. Im Hinterkopf, neben der Feminismus-Sirene, frage ich mich wie wir wohl reagieren würden, wenn ein Film über Cesar’s Way gezeigt würde. Eine seriöse Doku über Erziehungsmethoden würde doch mehr aufzeigen, als nur einen einzigen Zugang, der mit einer “Erfolgsquote von 87%” vollkommen unseriös glorifiziert wird. Was passierte denn mit den 13%, die keinen Erfolg hatten? Wurden die Kinder abgenommen? Sind die doch zum Attachment Parenting übergelaufen? Leben die mit ihrer Verzweiflung einfach weiter?

Unser aller Verständnis von Beziehung zu unseren schutzbedürftigen Lebewesen – wieder: egal ob Kind oder Tier – braucht bessere Wege als die Binsenweisheiten und Gewaltakte, mit denen schon die Generationen vor uns durch ihre Kindheit gequält wurden. Und genau die Leute, die selbst unter den Geisteshaltungen von Macht, Gehorsam, Leistung und ähnlichem litten, geben heute genau die gleichen Tipps wie vor fast 100 Jahren. Wollen wir da wirklich wieder hin? Ich hoffe nicht. Heute wissen wir es besser. Und heute haben wir bessere Vorbilder und den Bonus der Wissenschaft und Forschung, die genau das untermauern: Beziehungsarbeit und nicht Machtkämpfe, Bedürfnisse erkennen und stillen – und nicht Isolieren und Ignorieren.

 

Linkliste zum Verstanden-Fühlen und Aufregen:

Website zum Film “Elternschule” (Funfact: Die Facebookseite wurde gesperrt, weil zu viel gemeine Kritik kam)

Süddeutsche Zeitung – Filmempfehlung

Blickpunkt Erziehung

Blogeintrag mit toller Filmanalyse

Family Lab

TagTeach  (denn Klickertraining funktioniert für Menschen genau so gut wie für Tiere!)

Der “Alleine bleiben”-Korb

Der “Alleine bleiben”-Korb

Wenn wir unsere Hunde alleine zuhause lassen, wünschen wir uns für sie, dass sie sich entspannt auf die Couch verkrümeln und sich freuen, wenn wir wieder zurück kommen. Unsere Vorstellung deckt sich bloß leider manchmal nicht mit der Realität.

Alleine bleiben muss geübt werden, andernfalls ist es für unsere vierbeinigen Freunde eine echte Tortur.

Viele Hunde sind vom plötzlichen Alleingelassen-werden und dem damit verbundenen Auf-sich-selbst-gestellt-sein überfordert und wissen nicht, wie sie mit diesem Stress umgehen sollen. Manche zerstören Dinge, andere müssen sich in der Wohnung lösen, und manche Hunde versuchen alles Essbare aufzustöbern – ja, es gibt sogar Hunde die garnichts machen und das Alleine-Sein in stiller Lethargie ertragen. Aber das macht es doch nicht besser. In jedem Fall ist das Alleine-Bleiben eine ernst zunehmende Angelegenheit, auf die der Hund mit gutem und kleinschrittigen Training vorbereitet werden muss.

“oh toll, Schokokekse! Da übernehm’ ich doch glatt mal das Ordnung-Machen, bis mein Mensch wieder kommt – ganz uneigennützig.”

Mit dem “Alleine bleiben”-Korb könnt ihr diesen Prozess begleiten – er ersetzt aber freilich nicht die kontinuierliche Übung! Nur, um das mal in aller Deutlichkeit zu betonen!

 

Um den AB-Korb (so kürz ich den “Alleine bleiben”-Korb ab nun im Text ab) in Euren Alltag einzuführen, nehmt Euch ein – Überraschung – Körbchen (oder Box, Schuhschachtel,…) und füllt es mit folgenden Inhalten:

** ein toll befüllter Kong
** eine halbe Hand voll Leckerchen zum in-den-Korb-streuen und
** unbedenkliche Füllstoffe um die Leckerchen etwas abzudecken – ein großes Handtuch wäre dafür ausreichend
** ein Ding zum Zerstören – zB die befüllte Klorolle, ein kleiner Karton – ebenfalls mit ein paar Keksen als Animation zum Zerfetzen gefüllt
** ein Kau-Ding – zB Schweineohr, Luftröhre,…
** ein besonderes Spielzeug das es NUR FÜRs ALLEINE-BLEIBEN gibt. In unserem Fall ist das der Quietsch-Kraken.

"Serviervorschlag" :)

“Serviervorschlag” 🙂

Mengenangaben:
Natürlich hängt der ideale Inhalt von den Vorlieben deines Hundes ab. Der Korb soll auch nicht so voll sein, dass der Hunde ne Stunde später dringend raus muss, weil der Bauch so prall gefüllt ist oder er von dem ganzen Kauen den Megadurst bekommt und den halben Wassernapf leer macht – und dann pinkeln muss. Weniger ist mehr – tastet Euch langsam ran, was ‘ne gute Menge ist.

Das erste Mal:

Achtung: Präsentier’ deinem Hund das erste Mal den AB-Korb, wenn du zuhause bist!

Körbchen in beliebiger Reihenfolge befüllen und dem Hund hinstellen. Wenn er beginnt sich damit zu beschäftigen und du sicher sein kannst, dass er die angebotenen Utensilien gut nutzen kann, verlässt du den Raum und kommst alle paar Minuten mal vorbei um zu kucken, ob alles ok ist. Sieh lieber öfters nach, denn jetzt geht es um die Wurst: du musst stoppen wie lange dein Hund  braucht, bis er mit allem fertig ist.

Idealer Weise befüllst du das Körbchen so, dass dein Hund sich zumindest eine halbe Stunde damit befassen muss, ehe alles weggesnackt ist und das Superspecialspielzeug seinen Reiz verloren hat. Pack alles wieder weg, beseitige etwaige Spuren von zerfetztem Karton und Zeitung und lass deinen Hund eine Siesta machen, denn jetzt sollte er in Ruhe rasten können.

Die Routine:

Wenn der Hund das Alleinebleiben grundsätzlich gut aushält und sich gerne mit dem AB-Körbchen beschäftigt, kannst du die Zutaten (und das Körbchen selbst) natürlich immer wieder variieren. Auch die tägliche Futterration lässt sich darüber gut anbieten. Achtet aber immer auf die Sicherheit – Euer Hund nutzt dieses Ding ganz alleine und soll nicht Bauchweh oder schlimmeres erdulden müssen, wenn er auf sich alleine gestellt ist und niemand ihm helfen kann.

Interaktion mit dem Inhalt - Dude findet's cool :)

Interaktion mit dem Inhalt – Dude findet’s cool 🙂

 

Mit dem AB-Korb wird deinem Hund diese Übung wesentlich leichter gemacht. Hab’ ich schon erwähnt, dass der Korb das Training nicht ersetzt? Tut er nämlich nicht! Aber der Korb hilft Euch, dem Alleinsein die Gruseligkeit zu nehmen, denn wer mit Körbchen-Stöbern beschäftigt ist, hat was zu tun und muss sich nicht auf die Einsamkeit konzentrieren. Und danach schläft sich’s auch echt gut! 🙂

Nickerchen nach erfolgreicher Korbplünderung?

Nickerchen nach erfolgreicher Korbplünderung?

 

Wenn du auch ein “Alleine bleiben”-Körbchen machen willst, würd’s mich tierisch freuen wenn Du mir erzählst, was du deinem Hund ins Körbchen getan hast! Schreib mir hier einen Kommentar! Oder auf Facebook! Oder per Mail! 🙂